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Immer diese Widersprüche. Zum Begriff der Dialektik

December 12, 2010

Eine Annäherung in drei Akten

Georg Gangl und Elmar Flatschart (EXIT!) versuchten sich im Rahmen eines Workshops an einer Art »Einführung in die Dialektik«. Ihr Ziel war dabei nicht eine umfassende systematische oder historische Darstellung dialektischen Denkens sondern eine analytische Annäherung an die Grundkonstellation der Dialektik, ausgehend von der formalen Logik. Es ergab sich etwa diese Gliederung:

  1. Einleitung: Zitate zur Dialektik; logische Struktur der strikten Antinomie
  2. Totalität, interne Beziehungen, Widersprüchlichkeit, Beziehungen von Beziehungen: Die Grundbegriffe der Dialektik nach Joachim Israel
  3. Die Realdialektik des Kapitalismus, schematisch skizziert anhand des Zusammenhangs von Ware, Wert, Geld und Krise

Veranstaltet und aufgezeichnet vom Wert-Abspaltungskritischen Lese- & Diskussionskreis Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verein für kritische Gesellschaftswissenschaften e.V. August 2010.

Download via audioarchiv: Teil 1 (0:54 h, 22 MB), Teil 2 (1:26 h, 35 MB); Zitatesammlung (pdf, 91 KB)

Alternativ-Download via MF: Teil 1, Teil 2; Zitatesammlung

Ankündigungstext:

Dialektik-Workshop

Das ist eine gewisse Dialektik und Dynamik, die man mitdenken muss.” (Angela Merkel)

In marxistischen Debatten gibt es wohl kaum einen Themenkomplex, der streitbarer wäre als derjenige rund um die (Marxsche) Dialektik. Oft gilt eine einfache Faustregel: Wenn es kompliziert oder allzu widersprüchlich hergeht, dann müssen die Dinge dialektisch gesehen werden. Viel gesagt ist damit noch nicht und keineswegs umsonst stehen die meisten kritischen Geister der Dialektik als Universalschlüssel der Erklärung sehr skeptisch gegenüber. Zu diesem rhetorischen Gebrauch des Begriffs, der insbesondere auch in den realsozialistischen Ländern als Todschlagargument benutzt wurde, gibt es kein wahrlich zurück mehr, denn erklärt wird damit nun mal so gut wie nichts. Eine alleinige Rückkehr ad fontes, zu Marx, kann es aber genauso wenig geben. Bekanntermaßen hat Marx seine geplante 30 Seiten Schrift über die rationalen Elemente der Hegelschen Dialektik nie verfasst und die spärlichen Explikationen seiner eigenen „dialektischen Methode“ gehen über einzelne Hinweise und Problemaufrisse kaum hinaus. Auch bei Angela Merkel, die die Dialektik wohl eher im erstgenannten, legitimatorischen Sinne einmalig in den Mund genommen und sich nach Gebrauch wohl auch schon auf die Zunge gebissen hat, oder etwa Friedrich Engels, der zumindest ein Fragment namens „Dialektik der Natur“ verfasst hat, finden sich kaum ergiebigere Ausführungen dazu, was denn nun unter Dialektik genau zu verstehen sei.

Dabei sind Fragen rund um die „Marxsche Methode“ und die Dialektik im Allgemeinen geradezu zentral für ein Verständnis des Marxschen Werkes. Nicht umsonst haben sich Generationen von marxistischen PhilosophInnen deswegen Gedanken über die verflixte Dialektik gemacht – Louis Althusser z.B. wollte die Marxsche Dialektik fein säuberlich von derjenigen Hegels getrennt wissen und ein marxistischer „Shooting Star“ wie Antonio Negri möchte sie gar mit Stumpf und Stiel aus dem Marxschen Werk getilgt sehen. Diese Auseinandersetzungen weisen der Beschäftigung mit der Dialektik eine gewisse Richtung: Möchte eins die Frage nach der Dialektik im Marxschen Werk stellen, so gilt es nolens volens, das Verhältnis von Marx zu Hegel genauer zu beleuchten. Denn wenn die Marxsche Dialektik eine gewisse Methode designieren soll, wie Marx selbst an mehreren Stellen betont, dann stellt sich sogleich die Frage ein, welche Realität mit dieser Methode erfasst werden soll, ja es geht sodann eigentlich vordergründig darum, ebenjene Realität zu dechiffrieren, die nach einer dialektischen Darstellung verlangt – die Methode lässt sich nicht einfach so von demjenigen trennen, das mit ihr erfasst werden soll.

Dergestalt formuliert lässt sich das Ziel unseres Workshops schon eher umreißen. Mit Hilfe neuerer wissenschaftstheoretischer Literatur wollen wir nach dem Problem der Dialektik im Marxschen Werk fragen und somit den ontologischen, epistemologischen und methodologischen Besonderheiten des Marxschen dialektischen Ansatzes nachspüren. Zu diesem Zwecke wird auf der Zentralität des Widerspruchsbegriffes im Sinne einer „strikten Antinomie“ beharrt werden. Marx kommt gerade das Verdienst zu, diese Widersprüchlichkeit als Realwidersprüchlichkeit kapitalistischer Vergesellschaftung minutiös offen gelegt zu haben, neuere wissenschaftstheoretische Ansätze wiederum können Licht in die theoretische Grundstruktur dieser Konstellation bringen. In diesem Workshop wollen wir diese beiden ineinander verschlungenen Momente deutlich machen. Wir werden uns also die historisch spezifische Analyse Marxens genauer ansehen, aus welcher sich eine heuristisch hilfreiche „dialektische Grundstruktur“ heraus präparieren lässt. Erst wenn diese Grundstruktur, samt einiger sozialontologischer Grundannahmen, mehr oder minder erfasst ist, lassen sich die vielen Fragen rund um die Dialektik, etwa diejenige, nach einem berühmten Marx-Zitat, über die Grenzen dialektischer Darstellung oder die einer etwaige Dialektik der Natur wie sie eben von Engels in Ansätzen vertreten wurde, sinnvoll stellen.

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