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Wie kapitalistisch war der Sozialismus?

January 24, 2011

Am 10.11.2010 hielt Rüdiger Mats im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Das Ende des Kommunismus« (Mitschnitte siehe hier) der Gruppe Inex einen Vortrag über die Ökonomie des Realsozialismus. Er gibt einen Überblick über die Phasen der ökonomischen Entwicklung in der Sowjetunion, geht vor Allem auf die Neue Ökonomische Politik (NEP) ein und skizziert die Probleme der Produktion in der DDR. Ein zentrales Motiv des Referenten ist, aufzuzeigen, dass die Ökonomie des Realsozialismus, nach den Maßstäben der Produktivität und Effektivität bemessen, irrational gewesen ist.

Download: via FRN (61,6 MB), via Audioarchiv (20,5 MB)

  • Rüdiger Mats: Bloß eine neue Maschine aufstellen – Was man aus dem Scheitern des Realsozialismus für die linksradikale Praxis schließen kann – und was nicht (Phase 2 #34/2009)

    Ankündigungstext:

    Der Realsozialismus wurde bis ans Ende seiner Tage als logische Konsequenz des marxschen Sozialismusmodells, als eine notwendige Übergangsgesellschaft betrachtet, weil der Kommunismus nicht unmittelbar zu erreichen war. In der Phase revolutionärer Umgestaltung seien zwar noch nicht alle Merkmale der bürgerlichen Gesellschaft überwunden, aber das Privateigentum an Produktionsmitteln und damit die Ausbeutung sollten bereits weitgehend aufgehoben sein.
    Ob in der Sowjetunion überhaupt so etwas wie Sozialismus existierte, hängt nicht zuletzt von der Frage ab, ob sich der Charakter der Produktion verändert hat und ob sich von den Grundlagen der kapitalistischen Produktion tatsächlich verabschiedet wurde. Lenin schrieb selbst »Der Sozialismus ist nichts anderes als das staatskapitalistische Monopol, das zum Nutzen des ganzen Volkes angewandt wird und insofern aufgehört hat, kapitalistisches Monopol zu sein«.
    In diesem Sinne übernahm der sozialistische Staat die Planung der konkreten Arbeit für etwas abstraktes Allgemeines: Zum »Wohl der Arbeiterschaft« wurde die Gesellschaft in ein einheitlich agierendes Nationalkapital verwandelt. Der Staat blieb die Instanz, die über das Maß und den Wert der Arbeit, den gerechten Lohn und über die zu produzierenden Waren entschied. Der Realsozialismus verstaatlichte die Produktionsmittel und ersetzte den kapitalistischen Wettbewerb durch den Plan. Wesentliche Grundelemente des Kapitalismus blieben damit jedoch erhalten: Der Druck zur Produktivität, die Bedeutung der Arbeit oder die Entfremdung der ProduzentInnen von ihren Produkten. Andere Elemente hatten sich entscheidend gewandelt. Dem Wegfall des indirekten Zwangs durch die kapitalistische Konkurrenz folgte der direkte Zwang der Planungsstellen und des sozialistischen Betriebs. Bestand im Kapitalismus wenigstens noch die Freiheit im Zwang, war im Realsozialismus sogar diese Freiheit suspendiert – der sozialistische Zwang wurde zur Freiheit verklärt.
    Die freie Verfügbarkeit von Gütern und eine tatsächliche Vergesellschaftung der Produktionsmittel wurde in keinem sozialistischen Land je verwirklicht. Weder wurden der Staat abgeschafft, noch die kapitalistischen Produktionsbedingungen von Konkurrenz, Ausbeutung und Arbeitszwang.
    Daraus folgt die Frage, wie die heutige kapitalistische Gesellschaft und Ökonomie in eine sozialistische transformiert werden könnte. Weder wird die hochentwickelte Produktion eine Aufhebung der Arbeitsteilung möglich machen können noch ist es ausgemacht, dass die hochkomplexe moderne Gesellschaft sich überhaupt von einer abstrakten Vermittlung (z.B. Wert und Geld) wird lösen können.
    Damit stellen sich zwei grundlegende Probleme, denen in der Veranstaltung nachgegangen wird: Wie kapitalistisch war der Sozialismus? Und lässt sich eine gesellschaftliche Verkehrsform und Vermittlung, die die derzeitigen abstrakten Prinzipien von Wert und Geld überwindet, überhaupt denken und verwirklichen?

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