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Tutorial: Audiobearbeitung

January 15, 2012

Im Folgenden möchte ich – nun doch endlich -, einer Bitte und meiner eigenen Ankündigung folgend, meine Erfahrungen im Umgang mit dem plattformunabhängigen Open-Source-Programm Audacity teilen. Diese beschränken sich weitgehend auf die Nachbearbeitung von Sprachtonaufnahmen. Abgefasst seit Januar 2011, bezieht sich das Tutorial auf die Version 1.3.12 von Audacity.

Die richtige Aufnahme

Mit dem Mitschnitt von Vorträgen u.Ä. habe ich bisher wenig Erfahrung. Da die Qualität wesentlich vom Aufnahmegerät und der Art der Veranstaltung, die aufgezeichnet werden soll, abhängt, sind pauschale Aussagen darüber schwierig. Worauf aber auf jeden Fall zu achten ist:

  1. Übersteuerungen vermeiden. Vorher ausprobieren, wie sensibel das Aufnahmegerät bzw. das Mikrophon ist und mögliche Einstellungen bzw. den Abstand zur ReferentIn an deren Lautstärke anpassen; lieber etwas leiser einstellen. Denn eine vergleichsweise leise Aufnahme lässt sich im Nachhinein leichter hörbar machen als eine übersteuerte.
  2. Stör- und Nebengeräusche vermeiden. Dies betrifft besonders Erschütterungen des Mikrophons. Solche sind auf der Aufnahme oft deutlich hörbar und lassen sich meines Wissens im Nachhinein kaum entfernen. ReferentInnen, die gerne mal auf den Tisch hauen, sollte man entweder bitten davon abzusehen oder alternativ das Aufnahmegerät gepolstert oder auf einem anderen Tisch postieren.
    Besitzt das Aufnahmegerät eine Funktion/Einstellung low cut filter (auch high pass filter genannt) sollte sie genutzt werden, da sie einige Störgeräusche dieser Art abschwächt.

Zur Nachbearbeitung

Ich unterstelle hier, dass die Rohaufnahme in digitaler Form, also als Datei (mp3, wma, wav oder sonstiges Format) vorliegt. Öffnet/importiert man nun eine solche Datei in Audacity, stellt sie sich wahrscheinlich so oder ähnlich da:

Unbearbeitete Aufnahme

Deutlich erkennbar sind die starken aber kurzen Ausschläge, die Lautstärke-Spitzen an einigen Stellen. Am Ende ist der Applaus oft viel lauter als der Vortrag die meiste Zeit über. Versucht man nun die Aufnahme zu verstärken bzw. zu “normalisieren”, wird nur die lauteste Stelle angehoben auf die höchstmögliche Lautstärke, und der Rest der Aufnahme um denselben Wert – im Zweifelsfall um 0 dB oder sogar um einen negativen Wert, weil die lauteste Stelle eine Übersteuerung ist. Damit kommen wir also nicht weiter, wenn das Ziel der Nachbearbeitung eine gut hörbare Aufnahme ohne große Lautstärkeunterschiede, Störgeräusche, Rauschen und übermäßige Dateigröße ist. Stattdessen haben wir zwei Möglichkeiten.

1. Stapelverarbeitung Clean Speech

Die Stapelverarbeitung ist über das Menü Datei/Stapelverarbeitung anwenden zu erreichen und vollzieht, entweder an vielen Dateien oder nur am aktuellen Projekt eine Reihe von Effekten: Zusammenfassung auf eine Spur (Stereo → Mono); Klickfilter; Rauschfilter; Stille entfernen; Leveller; Normalisierung. Das ist schon eine gute Möglichkeit. Unser Beispielmitschnitt sieht dann aus:

2. Manuelles Schneiden, Entrauschen und Komprimieren

Mono-Spur erstellen

Mir scheint es wenig sinnvoll, Sprachaufnahmen in Stereo zu verbreiten, zumal dann, wenn nur einE SprecherIn zu hören ist. Hat die Datei nach dem Öffnen in Audacity zwei Spuren, kann man entweder eine löschen oder beide zu einer Spur zusammenfassen. Das bewerkstelligt man am besten über den Menüpunkt Spur/Stereospur in Mono umwandeln.

Kompressor

Ich habe erst vor kurzem einiger Zeit den Effekt “(Dynamik-)Kompressor” einigermaßen verstanden und für meine Zwecke nutzbar machen können. Dieser Effekt macht, was sein Name sagt: Er komprimiert die Dynamik, verringert also die Lautstärkeunterschiede innerhalb des Bereichs, auf den er angewandt wird und erhöht so die “gefühlte” Lautstärke. (Man kennt das von TV-Werbung, die immer lauter zu sein scheint, als die eigentlichen Sendungen und ebenso von neuer Musik im Vergleich zu Produktionen aus früheren Jahrzehnten.) Das ist genau, was wir hier brauchen. Allerdings verstärkt er damit auch alle Hintergrund- und Nebengeräusche. Es empfiehlt sich daher vor dem Kompressor einen Rauschfilter anzuwenden, zumindest wenn die Aufnahme ein deutlich hörbares Rauschen aufweist oder wenn ein sehr starker Kompressor angewandt werden soll (z.B. auf Diskussionsmitschnitte mit zahlreichen, recht leisen Wortmeldungen aus dem Auditorium). Ohne den Rauschfilter wird das Rauschen an den Stellen, an denen der Kompressor verstärkend wirkt, mitverstärkt und macht das Hören unangenehm.

Schneiden

Vor allen Rauschfilter- und Kompressionseffekten ist die Datei aber zuzuschneiden. Denn natürlich ist die Abschnitt zwischen Einschalten der Aufnahme und Beginn des Vortrages bzw. der ReferentInvorstellung, so sie enthalten ist und sein soll, für die Dokumentation wenig interessant. Also sollte man sie wegschneiden (markieren und dann “Entf”-Taste drücken). Gleiches gilt für das Ende. Darüber hinaus ist man natürlich frei, ereignislose Stille, Unterbrechungen aller Art und dergleichen zu entfernen.

Ob der Applaus enthalten sein soll, ist eine Geschmacksfrage. Ich persönlich finde es sinnvoll, wenn zu hören ist, wie der Vortrag angekommen ist und wie viele Leute etwa zugehört haben (obwohl das Klatschen oder – im akademischen Kontext – das Klopfen davon natürlich nur einen ungefähren Eindruck vermitteln kann). Wie auch immer, enthält die Aufnahme keine anschließende Diskussion, so empfiehlt sich, den Applaus auszublenden und ihn von den weiteren Maßnahmen der Nachbearbeitung auszunehmen. D.h. er braucht nicht verstärkt oder komprimiert werden, eben weil er meist schon laut genug ist.


Applaus vor dem Ausblenden


Applaus nach dem Ausblenden (Menüpunkt Effekte/Ausblenden)

Kompressor-Einstellungen

Der Dynamikkompressor hat in der oben genannten Version von Audacity die optionale Funktion “kurze Peaks [Spitzen] berücksichtigen”, diese sollte auf jeden Fall eingeschaltet sein, damit die Spitzen, sofern sie kurz genug sind, herausfiltert werden. Mit den übrigen Einstellungen muss man ein wenig experimentieren.

  • Verhältnis bestimmt, grob gesagt, die Stärke des Kompressors. Je höher, desto geringer fallen die nach der Anwendung noch vorhandenen Lautstärke-Unterschiede aus – die Bildschirmausgabe in Audacity ist also sehr blau.
  • Grenzwert gibt an, ab welcher Lautstärke der Kompressor überhaupt anspringt. Abschnitte der Aufnahme mit einer Lautstärke unterhalb dieses Werts werden also nicht verstärkt. Welchen Grenzwert man einstellen sollte, hängt daher wieder von der Art der Aufnahme ab: Bei einer Diskussion mit leisen Wortmeldungen muss auf jeden Fall ein niedrigerer Grenzwert verwendet werden; bei reinen Vorträgen ohne Zwischenmeldungen eher ein höherer.
  • Nebengeräusche: Diese Einstellung gilt den vom Kompressor gemäß der Grenzwert-Einstellung nicht verstärkten Anteilen der Aufnahme. Sie werden mehr oder minder stark abgesenkt. Damit sollte man sparsam sein, damit die Stimme(n) nicht abgehakt klingt/klingen.
  • Die Option Anheben auf 0db nach Komprimieren muss ebenfalls aktiviert sein.

Ergebnis

Unser Resultat sieht nach der beschriebenen Prozedur so aus und kann nun exportiert werden:

Dateiexport

Ist man mit der Nachbearbeitung zufrieden, braucht man sie nur noch exportieren: Menü Datei/Exportieren…. Für den Export im mp3-Format muss die Lame-Bibliothek in Audacity installiert sein. Im Speichern…-Dialog kann und sollte man nun noch Optionen für den Export festlegen. Sprachaufnahmen sollten in mono bzw. joint stereo mit einer recht niedrigen Bitrate kodiert werden. Mein Standard für Mono-Dateien ist 48 kBit/s. Man kann aber auch auf 40 oder gar 32 kBit/s runtergehen oder eine höhere Rate von z.B. 80 kBit/s verwenden. Das hängt vom Verwendungszweck der Datei ab. M. E. hat es aber jedenfalls keinen Sinn eine Sprachaufnahme mit 128 kBit/s zu kodieren, dabei kommen nämlich je nach Länge schnell erhebliche Dateigrößen und in Folge dessen lange Download-Zeiten heraus.

Ergänzungen?

Ich hoffe, dieses Tutorial konnte einigen den Einstieg in die Audiobearbeitung erleichtern und wirkt für Profis nicht zu dilettantisch. Ergänzungen, Hinweise, Fragen etc. können gern in den Kommentaren gestellt werden. Auf Youtube findet man übrigens auch ganz nützliche und eingängige Tutorials.

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