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Psychoanalyse und Gesellschaftskritik (II)

April 1, 2012

Hass auf Vermittlung und »Lückenphobie«

Christine Kirchhoff hat im Januar 2012 auf Einladung der Bielefelder Association Critique einen Vortrag gehalten, der insofern sehr gut zum letzten hier dokumentierten Beitrag passt, als das Thema Psychoanalyse als ein Strang bzw. eine Quelle der Kritischen Theorie dort ausgespart worden ist. Es handelt sich um eine erweiterte Fassung ihres in der letzten Phase 2 (41/2012) erschienen Essays über die Aktualität der Psychoanalyse, in dem sie diese als notwendiges Reflexionsmoment von Gesellschaftskritik bestimmt. Psychoanalyse erlaube es, »den subjektiven Bedingungen der objektiven Irrationalität« nachzugehen (Adorno), ohne die unüberwindbare Lücke bzw. Kluft zwischen Subjekt/Individuum und Objekt/Struktur/Gesellschaft in deterministischer und rationalisierender Weise zu schließen, wie es in Postones Antisemitismus-Aufsatz geschehe. Den Hintergrund für Kirchhoffs Begriff von Gesellschaftskritik bildet eine stark von Adorno beeinflusste neue Marx-Lektüre.
Das letzte von ihr angeführte Adorno-Zitat wurde von diesem übrigens in dem Radiogespräch »Ist die Soziologie eine Wissenschaft vom Menschen?« gegen Arnold Gehlen vorgebracht, das in Textform als Anhang erschienen ist in: Friedemann Grenz, Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1974.

Ankündigungstext und Referentin-Info:

Theodor W. Adorno bezeichnete die Psychoanalyse als die einzige Psychologie, „die im Ernst den subjektiven Bedingungen der objektiven Irrationalität nachforscht“. Im Vortrag soll es darum gehen, diese Feststellung zu entfalten und auf ihre Voraussetzungen und Konsequenzen zu befragen.
Was heißt hier objektiv? Warum ist diese irrational? Was wäre demgegenüber rational? Ist Gesellschaftskritik auf Psychoanalyse verwiesen und warum? Warum ist die Psychoanalyse – zumindest der Möglichkeit nach – eine kritische Theorie? Warum ist es überhaupt wichtig, sich auch mit der individuellen Ver- und Bearbeitung gesellschaftlicher Verhältnisse zu befassen?
Zunächst wird es also mit Marx und kritischer Theorie darum gehen, was unter gesellschaftlicher Objektivität zu verstehen ist (Begriff der Gesellschaft, Verselbständigung, Verkehrung, Wert- und Subjektform).
Ausgehend von diesen Bestimmungen geht es im zweiten Teil des Vortrages um die subjektiven Bedingungen, also um die Psychoanalyse als kritische Theorie des Subjekts, um das Verhältnis von Natur und Kultur im Menschen, um Sexualität und Triebe, die Freudsche Metapsychologie und wiederum darum, was das alles mit Gesellschaftskritik zu tun hat.

Der Vortrag ist insgesamt so konzipiert, dass er als Einführung ins Thema geeignet ist, Vorkenntnisse schaden allerdings auch nicht.


Dr. phil. Christine Kirchhoff Psychologin, lebt in Berlin. Mitherausgeberin von Gesellschaft als Verkehrung, Autorin von „Zeit und Bedeutung: Das psychoanalytische Konzept der Nachträglichkeit. Zum Thema: Wozu noch Metapsychologie, Hass auf Vermittlung und Lückenphobie. Zur Aktualität der Psychoanalyse (Phase 2/41).

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