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Überlegenheitsgefühle integriert

June 10, 2012

Zum Wandel des Rassismus in der Krise

Am 17.05.2012 war JustIn Monday im Rahmen der vom »Exit!«-Lesekreis Hamburg organisierten Veranstaltungsreihe Rotten System! Rotten World? eingeladen über den Wandel des Rassismus in der Krise zu sprechen. Seine These ist, dass dem Rassismus von jeher ein Widerspruch eigen ist, der in der Krise bemerkbar wird. Ist in Prosperitätsphasen der Rassismus kolonialer Prägung von der Unterwerfung der als »naturhaft« imaginierten Anderen durch den sich selbst mit Geist/Kultur identifizierenden Weißen Mann gekennzeichnet, so schlägt er in der Rassenbiologie/-hygiene in Selbstrassifizierung um. Dass der Weiße Mann sich nun um seine eigene Naturdeterminiertheit in Gestalt der »Rassenreinheit« sorgt und den Geist in antisemitischer Weise als jüdisches Prinzip verteufelt, ist laut JustIn Monday als kapitalistische Krisenerscheinung zu verstehen. Im letzten Teil vollzieht er dies an Thilo Sarrazin nach (siehe dazu auch Deutschland bildet sich), zuvor zeigt er auf, in welche Probleme die antirassistische Theorie gerät, weil sie diesen Widerspruch innerhalb des Rassismus nicht bemerkt, geschweige denn historisch oder krisentheoretisch, begreift.

Download: Vortrag (1:22 h, 28 MB), Diskussion (0:12 h, 5 MB) via AArchiv | Original via minus (mp3, ogg, flac)

Ankündigungstext:

Fast schon ein linker Gemeinplatz ist die Behauptung eines Zusammenhangs zwischen Rassismus und gesellschaftlicher Krise. Formulierungen wie die, dass soziale Unzufriedenheit Nährboden für Rassismus sei, oder diese in der Krise Konjunktur habe, finden sich allenthalben. Obwohl eine solche äußere Beziehung kaum von der Hand zu weisen ist, ist ein Nachweis dieses Zusammenhangs im Sinne quantitativ-empirischer Sozialforschung allerdings nicht möglich. Weder gibt es Studien, die über lange Zeiträume hinweg mit auch nur annähernd ähnlichen Kriterien messen, noch sind solche Studien auch nur denkbar. Denn Rassismus unterliegt selbst einem historischen Wandel, der es verbietet, ihn empirisch zu fixieren. Ausschlaggebend für eine Plausibilisierung des Zusammenhangs ist daher vielmehr, dass jede Erneuerung rassistischer Phantasien in Krisenzeiten fiel, und auch heute fällt. Sarrazin und Konsorten sind hier nur die jüngste Entwicklung.

Rassismus selbst allerdings, und an diesem Punkt wird es widersprüchlich, war von seinem Beginn an ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Antirassistische KritikerInnen bekommen diesen Widerspruch nicht nur zu spüren, wenn sie vergeblich versuchen, alle Formen des Rassismus in einem Definitionsversuch zu fassen zu bekommen, ohne bei abstrakten Bestimmungen wie „eine Form von Diskriminierung“ zu landen. Ebenso kennzeichnend ist, dass die Vorstellungen von der Krise als Nährboden des Rassismus dann, wenn versucht wird sie theoretisch zu begründen, regelmäßig zu einem Rückfall hinter die antirassistische Grundthese führt, nach der Rassismus ein gegenüber anderen Herrschaftsformen eigenständiges Herrschaftsverhältnis ist und weder nach dem Muster der Klassendifferenz begriffen, noch gar aus diesem abgeleitet werden darf.

Der Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang geben muss, ist aus dieser Perspektive dann einzig noch das dumpfe aber lautstarke Beharren der RassistInnen auf einem solchen. Etwa, wenn sie eine direkte Verbindung herstellen zwischen Einwanderung nach Deutschland und hoher Arbeitslosigkeit und daraus die Notwendigkeit der geltenden Abschiebegesetzgebung folgern. Oder, wenn die AnhängerInnen Sarrazins permanent die Geburtenrate der Eingeborenen und die Substanz der nationalen Identität vom „Islam in Deutschland“ bedroht sehen. Während die antirassistische Kritik davon lebt, weitgehend darauf zu verzichten, diesen offenkundigen ökonomischen Bezug ideologiekritisch zu deuten, ähneln die VertreterInnen der Nährboden-Lehre ihre Theorie den Rationalisierungen der RassistInnen an und halten diese bereits für eine Erklärung. Dem gegenüber wird im Vortrag die Dynamik des Wandels des Rassismus selbst untersucht werden, um diese dann in Relation zum krisenhaften Verwertungsprozess des Kapitals und seiner Geschichte zubringen. Schwerpunkt wird dabei die Sarrazindebatte sein.

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